Begründer der Frankfurter Evolutionstheorie

Begründet wurde die Frankfurter Evolutionstheorie durch Wolfgang Friedrich Gutmann (1935–1997). Von Hause aus Biologe, forschte Gutmann zunächst am Senckenberg-Institut in Wilhelmshaven zu Bau und Funktion verschiedener Tiergruppen. 1964 übernahm Gutmann am Senckenberg-Institut in Frankfurt die neu eingerichtete Sektion Vergleichende und Funktionelle Anatomie. Zahlreiche Kollegen (insbesondere Klaus Bonik, Jens Lorenz Franzen, Manfred Grasshoff, Dieter Mollenhauer, Stefan Peters und Michael Tuerkay), die ebenfalls als Wissenschaftler am Senckenberg-Institut beschäftigt waren, befassten sich innerhalb verschiedener Organismengruppen mit konstruktions- und funktionsmorphologischen Fragestellungen. Diese „erste Generation“ von Konstruktionsmorphologen kooperierte eng mit dem Sonderforschungsbereich Natürliche Konstruktionen, der von Architekt Frei Otto geleitet wurde, und legte den Grundstein für die spätere Formulierung der Frankfurter Evolutionstheorie.[7]

Die konstruktions- und funktionsmorphologische Arbeit am Senckenberg-Forschungsinstitut geht auf Vorarbeiten von Wilhelm Schäfer und Rudolf Richter zurück. Die Forschungen der beiden Paläontologen und „Senckenbergler“ – Richter hatte den Senckenberg-Ableger in Wilhelmshaven 1928 gegründet, Wilhelm Schäfer leitete das Senckenberg-Museum in Frankfurt von 1961 bis 1978 – öffneten den Raum für eine neue Betrachtungsweise und damit für die Entwicklung einer eigenen Evolutionstheorie.